Buchbesprechung/Rezension:

Joachim B. Schmidt: Ósmann

Ósmann
verfasst am 04.04.2025 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Schmidt, Joachim B.
Genre:
Buchbesprechung verfasst von:

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Joachim B. Schmidt unternimmt den Versuch, das Leben eines Mannes in Island, der vor rund einhundert Jahren dort lebte, in einen literarischen Rahmen zu fassen. „Versuch“ nenne ich es deshalb, weil es, aus meiner sehr subjektiven Sicht, nur bedingt gelungen ist.

Jón Magnússon Ósmann ist Fährmann, der Menschen, Tiere und Güter mit seinem Boot über den Skagafjord weit oben im Norden Islands bringt. Eine karge Landschaft, bewohnt von ebenso kargen Menschen, die ein karges Leben führen.

Es ist eine Welt, in der Sagen und Legenden gedeihen bestens können, in der Unerklärliches oder Außergewöhnliches bald zu einer Erzählung werden kann, die über Generationen weitergetragen wird. Weit entfernt voreinander lebten die Menschen, die Einsamkeit war ein bestimmendes Element. Vor allem für Ósmann, der alleine in seiner Hütte wohnte und jeden Tag bereitstand, jemanden über den Fjord zu bringen. Dabei sah er viele Menschen im Wasser sterben, er erlebte die Natur, die den Alltag bestimmte und war selbst gefangen in der Welt zwischen Aberglaubens und der Mythen – ein wahrer Einsiedler.

Jón Magnússon Ósmann schrieb Gedichte über seine Gedanken in dieser Einsamkeit – Joachim B. Schmitt bette diese Gedichte in den Roman ein – war aber auch zugleich ein solcher Realist, um den Bau einer Brücke über den Fjord zu fordern, denn die Passage über das Wasser forderte zu viele Leben. Ósmann starb im Jahr 1914, er nahm sich das Leben im eisigen Wasser des Fjords. 

Soweit der Hintergrund der Erzählung.

Joachim B. Schmidt erzählt das in einer Mischung aus Fantasie und Realität, lässt fiktive Charaktere erscheinen und wieder verschwinden, die Grenze zwischen Ósmanns Fantasiewelt und dem war sich wirklich zutrug, löst sich auf. Oft lässt sich nicht erkenne, ob das, was Ósmann gerade zugeschrieben wird, tatsächlich geschieht oder ob es nur in seinen Gedanken stattfindet.

Für mich wurde das mit der Zeit allzu unübersichtlich.

Denn zu diesen unklaren Abgrenzungen kommen gelegentlich noch Wörter in einer Art von Deutsch/Isländischer Sprachmischung. Was mir bald die Freude am Buch genommen hat, sind oftmalige Zeitsprünge vor und zurück und Zusammenhänge, so sie vorhanden sind, verstecken sich zwischen sehr ausgreifenden Schilderungen.

Es mag vielleicht so sein, dass Schmidt einen aus der Sicht seiner isländischen Wahlheimat besser verständlichen Roman geschrieben hat, als es bei mir, mit meiner österreichischen Sicht ankommt.

Die Bücher, die ich bisher von Joachim B. Schmidt gelesen habe, fand ich allesamt wirklich wunderbar und großartig zugleich. Zu diesem jedoch gelang es mir nicht, eine Verbindung zur Handlung und zur Sprache zu finden. Und wenn beim Lesen einmal der Wurm drinnen ist, dann ist es schwer, den beim Weiterlesen wieder loszuwerden.

Deshalb ist Ósmann leider kein Roman für mich.
Zugleich aber bin ich überzeugt, dass dieser Roman eine große Anzahl an überzeugten Fans finden wird.




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