Lars Jaeger: Emmy Noether
Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik

Autorin/Autor: Jaeger, Lars
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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Emmy Noether – Ein Leitstern für die theoretische Physik
Lars Jaeger, Autor und Naturwissenschaftler, nimmt sich in diesem Buch einer fast vergessenen Frau an: der brillanten deutschen Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935). Sie gilt als Begründerin der Modernen Algebra, ohne die zahlreiche Erkenntnisse in der Physik nicht möglich (gewesen) wären.
Emmy Noether wächst in einer liberal-jüdischen Familie auf und hat, wie Vater Max und Bruder Fritz einen messerscharfen, brillanten mathematischen Verstand. Als Mädchen darf sie zunächst kein Gymnasium besuchen. In Nürnberg holt sie als externer Prüfling ihr Abitur nach, entdeckt ihr mathematisches Talent, beginnt Mathematik zu studieren und promoviert im Jahr 1907 schließlich in Mathematik, was man ihr lange verwehrt hat.
Das kommt den Mathematik-Koryphäen David Hilbert und Felix Klein zu Ohren. Die beiden berühmten Mathematiker holen die junge Doktorin der Mathematik zu sich ans mathematische Institut der Uni Göttingen, dem Nabel der damaligen mathematischen Welt. Weil sie eine Frau ist, erhält sie zunächst weder Gehalt noch eine akademische Position. Dennoch sind ihre Vorlesungen bestens besucht. Ihre, für die Physik, bahnbrechenden Arbeiten werden von Kollegen und Professoren ohne Nennung ihres Namens und Mitwirkens veröffentlicht. Obwohl sie als Frau in der Wissenschaft von vielen immer noch kritisch beäugt wird, eilt ihr ihr Ruf als exzellente Mathematikerin voraus. Gegen alle Widerstände erreichen Hilbert und Klein, dass Noether in Göttingen forschen und lehren darf. 1919 ist Noether sogar die erste Frau in Deutschland, die sich in Mathematik habilitiert, 1922 wird sie die erste Mathematik-Professorin in Deutschland.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erhält sie. die Jüdin, Sozialdemokratin und Pazifistin, trotz zahlreicher Eingaben von Kollegen Berufsverbot und wird sie der Universität verwiesen. Unbeirrt lehrt sie in ihrer kleinen Dachkammer weiter, muss aber einsehen, dass sie Nazi-Deutschland verlassen muss. Sie überlegt in die Sowjetunion zu emigrieren, nimmt aber dann die Einladung in die USA an und lehrt u.a. in Princeton.
Emmy Noether stirbt wenige Tage nach einer Unterleibsoperation im April 1935 mit nur 53 Jahren.
Meine Meinung:
Das Buch ist eine wissenschaftliche Biografie, vielleicht weil es über den privaten Menschen Emmy Noether wenig bekannt ist. Sie lebt für die Mathematik. Zeit ihres Lebens bleibt ihr die gebotene Anerkennung versagt. Selbst ihre engsten Kollegen mokieren sich in despektierlicher Weise über ihre Lebensweise und ihr Aussehen. Emmy Noether muss, weil ja ihre Arbeit nicht bezahlt wird, von ihrem schmalen Erbe leben. Da sind keine großen Sprünge möglich.
„Als Studentin und junge Mathematikerin wurde sie von ihren männlichen Kollegen nach den Maßstäben der damaligen Zeit beurteilt. Fast ausnahmslos gingen sie bei der Einschätzung ihrer beruflichen Leistungen auf die Tatsache ein, dass es sich bei Emmy Noether um eine Frau handelte – immer mit dem Ergebnis, dass weniger talentierte Mathematiker ihr vorgezogen wurden.“
(S. 166)
Und selbst in ihrer Trauerrede wird sie klein gemacht und ihre wissenschaftliche Arbeit herabgewürdigt.
Um das Buch wirklich genießen zu können, ist einerseits eine hohe Konzentration und andererseits gewisse Vorbildung in Mathematik und Physik notwendig. Der Autor setzt doch ein wenig mehr als Maturaniveau voraus. Manchmal schweift er von Emmy Noethers Biografie ab, um später nachfolgenden Wissenschaftlern breiten Raum zu geben. Überhaupt liest sich das Buch wie das Who-is-Who der Mathematik und Physik. Von Albert Einstein, Erwin Schrödinger, Max Planck zu Ernst Mach oder den wenigen Mathematikerinnen wie Grete Herrmann (Noethers erste Doktorandin) und Olga Taussky-Todd bis zu Kenjiro Shoda oder Baartel Leendert van der Waerden.
Sehr gut, weil kritisch, sind die Anmerkungen des Autors zu den diskriminierenden Aussagen von Emmy Noethers Zeitgenossen.
Ergänzt wird diese Biografie von zahlreichen Abbildungen, eine Vielzahl von Fußnoten sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis und Hinweise auf weiterführende Literatur.
Fazit:
Dieser Hommage an eine zu Unrecht fast vergessene, brillante Mathematikerin, ohne deren Kunst zur mathematischen Abstraktion, zahlreiche Erkenntnisse für die Physik und Mathematik nicht möglich gewesen wären, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.